Trittsicherheit und Schwindelfreiheit

Ein schöner Wandertag definiert sich neben dem Glücksgefühl des Gipfelerfolges auch durch das sichere Gehen und das angstfreie Bewegen im Gelände. Die häufigste Ursache für Unfälle beim Bergwandern ist neben der körperlichen Überforderung die mangelhafte Trittsicherheit der Wanderer. Die Begriffe Trittsicherheit und Schwindelfreiheit werden bei vielen Routen vorausgesetzt. Doch was bedeuten sie?

Trittsicherheit ist die wichtigste Voraussetzung am Berg und man versteht darunter die Fähigkeit, sich in unwegsamem Gelände sicher bewegen zu können. Dazu braucht es gutes Gleichgewicht, genügend Kraftreserven und koordinative Fähigkeiten, wie die richtige Umsetzung der Bewegungsabläufe. Ausserdem muss das Gelände intuitiv korrekt eingeschätzt werden können. Trittsicherheit ist durch Routine erlernbar.

Schwindelfrei beschreibt die Fähigkeit, ausgesetzte, aber gut begehbare Wege ohne Angst oder Schwindelgefühl sicher überwinden zu können. Normaler Höhenschwindel nimmt im Gegensatz zur Höhenangst bei Gewöhnung ab. Insofern ist Schwindelfreiheit in gewissem Umfang erlernbar wenn keine Höhenangst vorhanden ist.

Unterschied zwischen Höhenschwindel und Höhenangst

Höhenschwindel tritt meistens auf, wenn dem Auge ein nahegelegener fester Bezugspunkt fehlt, an dem sich die Wahrnehmung orientieren kann, und äussert sich dann mit Schwindelgefühl, Unsicherheit sowie Beschleunigung des Atems. Dies ist oft beim Blick in die Tiefe der Fall. Dies ist jedoch kein Krankheitsbild sondern ein physiologisches Alarmzeichen.

Höhenangst hingegen ist die Panik vor dem Kontrollverlust. Einige Menschen haben eine ausgeprägte Angst vor Kontrollverlust – also zum Beispiel davor, in die Tiefe fallen zu können. Diese  Menschen leiden also zusätzlich zum normalen Schwindelgefühl unter starken Panikzuständen, wenn sie in die Tiefe blicken.

Wie kann ich meine Trittsicherheit und Schwindelfreiheit trainieren?

Übungen für bessere Trittsicherheit und Schwindelfreiheit:

  • Gewichtsverlagerung: Auf die Zehen stellen, dann auf die Fersen, so weit und so oft wie möglich ohne umzufallen.
  • Auf einem Bein stehen: Mit offenen und geschlossenen Augen. Ziel ist es mit der Zeit bei geschlossenen Augen genau so stabil stehen zu können wie mit offenen Augen.
  • Kniebeugen auf einem Bein: Auf einem Bein stehen, anderes Bein noch vorn oder hinten strecken. Standbein so oft wie möglich beugen und strecken ohne umzufallen.
  • Bachbeetlauf: In trockenen Bachbeet oder steinigem Hang hoch und runter, sowie Quer laufen. Immer wieder wiederholen.
  • Balancieren: Auf schmalen Strukturen balancieren (Baumstamm, Bordstein etc.) und Höhe langsam steigern

Beim Wandern:

  • Konzentriertes Gehen: Immer die ganze Fussfläche aufsetzen die Konzentration auf den nächsten Schritt richten.
  • Richtige Haltung beim Abstieg: Knie leicht gebeugt und Oberkörper etwas nach vorne gebeugt, Füsse hüftbreit und die ganze Fussfläche aufsetzen
  • Kleine Schritte: Konstantes, eher langsames Tempo, welches die ganze Tour über gehalten werden kann
  • Tiefblicke vermeiden: Soweit möglich ein kurzer Blick in die Tiefe beeinträchtigt weniger, da der Höhenschwindel erst nach einigen Sekunden einsetzt.

Nach ein paar Wanderungen werden sich, die ersten Erfolge einstellen und man fühlt in den Bergen sicherer. Doch nur regelmässiges „Training“ verbessert die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit..