Grenzerfahrung Rätikon – Schesaplana Hüttentour

Auf der Schesaplana mit Blick auf die bisherige Route

Auf der Schesaplana mit Blick auf die bisherige Route

Ich war in diesem Jahr zweimal in St. Antönien und unternahm dabei jeweils eine Tageswanderung. Dabei fiel mir auf, dass St. Antönien auch ein guter Ausgangspunkt für mehrtägige Wanderungen ist. Denn im Grenzgebiet des Rätikons zwischen Schweiz, Österreich und Liechtenstein gibt viele Angebote in der Höhe zu übernachten. Ausserdem bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten, anspruchsvolle Alpinrouten zu begehen.

Dies brachte mich auf die Idee, eine Art alpine Genusswanderung zu planen, welche von St. Antönien bis nach Malbun in Liechtenstein führen soll. Vier Tage sollten dafür reichen und so machte ich mich an die Planung.

Nachdem ich die geplante Routenführung, welche gemütliche Bergwanderwege, technisch anspruchsvolle Übergänge und mehrfaches Überschreiten der Grenzlinien beinhaltet, begangen habe, möchte ich die Route hier vorstellen. Ich muss jedoch auch sagen, dass besonders die zweite und dritte Etappe, sich nur an erfahrene Berggänger richtet, welche Freude daran haben, an ausgesetzten Stellen einen sicheren Weg durch den Fels zu suchen. Auf dieser Wanderung verschwimmen die Grenzen zwischen Berg- und Alpinwandern und man erlebt die wunderbare Bergwelt des Rätikons aus verschiedensten Blickwinkeln.

1. Tag: St. Antönien – Meierhpfer Älpli – Carschinasee – Carschinafurgga – Carschinahütte SAC

2. Tag: Carschinahütte SAC – Schweizertor – Cavelljoch – Gamsluggen – Totalphütte ÖAV

3. Tag: Totalphütte ÖAV – Schesplana – Schweizersteig – Schesaplanahütte SAC

4. Tag: Schesaplanahütte SAC – Gross Furgga – Pfälzerhütte LAV – Augstenberg – Bergstation Sareis

Aufstieg zur Carschinahütte

Die Sulzfluh ragt aus der Hügellandschaft der Carschina

Die Sulzfluh ragt aus der Hügellandschaft der Carschina

Der Aufstieg zur Carschinahütte von St. Antönien stellt dem Wanderer keine technischen Hürden in den Weg und ist mit 2-3 Stunden ziemlich kurz. Deshalb reise ich mit dem öffentlichen Verkehr an diesem Sonntag erst gegen Mittag an.

Von St. Antönien Platz laufe ich erstmal auf der Hauptstrasse taleinwärts bis ein Wegweiser an einer Strassenkreuzung den Weg zum Carschinasee weist.  Ich folge der Nebenstrasse bis Pt. 1504. Kurze Zeit später führt ein breiter Wanderweg rechts von der Strasse ab.

Auf diesem Wanderweg laufe ich über Pt. 1603 und Pt. 1868 zum Meierhofer Älpli. Nun über Pt. 1993 zum Carschinasee wo ich erstmals eine kurze Pause einlege.

Der weitere Weg führt über gemütliches Auf- und Ab in der Hügellandschaft der Carschina zur Carschinahütte. Im Blick immer die mächtige Sulzfluh welche aus der Hügellandschaft ragt. Bei der Hütte angekommen rollen von Westen her bereits dunkle Wolken heran und entladen eine grössere Menge regen. Doch schon vor dem Abendessen ist der Spuk vorbei.

Von der Carschinahütte zur Totalphütte

Blick zu den Kirchlispitzen

Blick zu den Kirchlispitzen

Der neue Tag verspricht viel Sonnenschein und so laufe ich nach dem reichhaltigen Frühstück in der Carschinahütte in Richtung Schweizertor los. Das Schattenspiel in der Morgensonne und der klare Fernblick lassen mein Wanderherz immer wieder vor Freude hüpfen.

Am Fusse der Drusenfluh, vorbei an den drei Türmen führt der Weg über Pt. 2201 und Pt. 2142 zu Pt. 2031 wo der Weg zum Schweizertor abzweigt. Ich wähle jedoch den Weg zum Cavelljoch, da ich vermute, dass die Kirchlispitzen auf dieser Seite besser zu sehen sind. Nach gut 2 Stunden stehe ich am tiefsten Punkt der heutigen Wanderung unterhalb des Schweizertors.

Nach einer kurzen Rast folgt der mässige Aufstieg über Pt. 2046 und Pt. 2263 zum Cavelljoch wo der Westwind stark weht. Von hier gibt es zwei Möglichkeiten zur Totalphütte zu gelangen. Der einfachere Weg führt hinunter zum Lünersee und dann hinauf zur Totalphütte. Ich wähle jedoch die alpine Route über die Gamsluggen.

Vom Cavelljoch über die Gamsluggen zur Totalphütte

Achtung! Die Route über die Gamsluggen ist auf Schweizer Seite auf den letzten 30 – 50 Höhenmeter stark ausgesetzt. Für das Begehen ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unbedingte Voraussetzung, auch wenn kritische Stellen mit Ketten gesichert sind.

Der Lünersee, tief unter der Gamsluggen

Der Lünersee, tief unter der Gamsluggen

Da der Wind auf dem Cavelljoch so stark bläst, laufe ich erstmal weiter in Richtung Pt. 2196. Hier ist von dem Wind nichts mehr zu spüren und lege eine Rast ein. Ausserdem habe ich von hier aus einen guten Blick über den weiteren Wegverlauf zu den Gamsluggen. Obwohl ganz so klar ist mir die Wegführung noch nicht, besonderes im obersten Teil. Ich sehe jedoch etwas unter meiner Position Wegspuren, welche ohne grossen Höhenverlust in Richtung Gamsluggen führen.

Nachdem ich mich erholt habe, laufe ich weiter bis ich die unmarkierten Wegspuren, welche vom Wanderweg wegführen, erreiche. Ich folge diesen Wegspuren. Irgendwann mündet derPfad in den von unten  kommenden, weiss-blau markierten, Alpinwanderweg. Es wird nun merklich steiler. Es sind noch gut 300 Höhenmeter auf sehr kurze Distanz zu bewältigen. Ich verlangsame also mein Tempo und in stetem hin und her steige ich Meter um Meter hoch. Fast schon oben, sehe ich die ersten Ketten. Es gilt eine Felskuppe zu erklettern. Nicht besonders schwierig, doch ich bin für die Ketten dankbar. Langsam und konzentriert kraxle ich weiter bis sich der Lünersee zeigt. Eine Tafel bestätigt – ich bin oben ankommen. Der Blick auf den Lünersee ist grandios.

Links auf etwa gleicher Höhe sehe ich die Totapalphütte. Einige Treppenstufen führen auf der österreichischen Seiten von der Gamslugge hinunter. Danach geht es durch Geröll hinüber zur Berghütte. Nach knapp 6 Stunden komme ich hungrig bei der Totalphütte an.

Schesaplana Übersteigung

Der letzte Anstieg zur Schesaplana. Rechts herum gehts besser

Der letzte Anstieg zur Schesaplana. Rechts herum gehts besser

Der dritte Tag ist ganz der Schesaplana gewidmet. Von der Totalphütte ist der mit 2964 Meter hohe Gipfel leicht zu erreichen und nur gut 600 Höhenmeter sind zu bewältigen. Der Abstieg von Schesaplana zur Schesaplanahütte hat es in jedem Fall in sich. Bei der Planung schien mir der Abstieg über den Schweizersteig zu kurz und deshalb war dies nur Variante B.

Nach dem Frühstück mache ich mich bereit und warte bis eine grosse Gruppe sich weit genug entfernt hat. Dann laufe ich langsam los. Immer den Markierungen folgend überwindet man mehrere Felsstufen. Bei gutem Wetter ist die Orientierung in dieser Steinwüste einfach.

Bei Pt. 2710 wird es erstmals richtig steil. Der Weg windet sich jedoch angenehm durch das Geröll und den Fels und so erreiche ich eine kleine Ebene. Hier mache ich erstmal eine Pause und trinke etwas. Ein weiterer Gipfelstürmer kommt von unten und läuft gerade aus weiter, da er nicht bemerkt, dass die Markierungen nach rechts führen. Nun gehe ebenfalls weiter, folge jedoch den Markierungen welche rechts um die Senke führen. Hier laufe ich relativ gemütlich während ich beobachte, wie der andere Wanderer nach einer Möglichkeit sucht um nach oben zu kommen. Ich rufe und deute mit einem meiner Stöcke an wie er am besten auf den markierten Pfad kommt. Er nimmt das Angebot dankend an.

Kurz später erreichen wir Pt. 2911 und von hier ist der Gipfel der Schesaplana, mit seinem riesigen Kreuz schnell erreicht. Nach gut 2 Stunden stehe ich also auf dem höchsten Berg des Rätikons, dessen Gipfel im Jahre 1886 mit Sprengstoff bearbeitet wurde, um mehr Platz für die schon damals zahlreichen Besucher zu machen.

Vom Gipfel aus geniesse ich die Aussicht in alle Richtungen und stelle fest, dass sich weiter unten, auf der Schweizer Seite, ein Wolkenband festgesetzt hat, welches die Route über die Schafköpfe, meine Abstiegsvariante A, in Nebel hüllt.

Der Abstieg von der Schesaplana über den Schweizersteig

Achtung! Der Abstieg von der Schesaplana auf der Schweizer Seite über den Schweizersteig ist ausgesetzt. Für das Begehen des Shweizersteigs ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unbedingte Voraussetzung auch wenn kritische Stellen mit Ketten gesichert sind.

Rückblick zum Gipfel

Rückblick zum Gipfel

Während ich mich für den Abstieg bereit mache, habe ich immer noch die Hoffnung, dass das Wolkenband in den nächsten Minuten verschwindet. Also mache ich mich auf den Weg.

Hier oben ist der Abstieg einfach zu laufen und bis Pt. 2728 bleibt dies auch so. Lieder ist das Wolkenband immer noch da und ich beschliesse deshalb nicht über die Schafköpfe zu laufen. Die Sicht ist mir zu schlecht. Deshalb halte ich mich links und stapfe langsam in den Nebel. Es wird steiler und ich erreiche Mergelstrukturen. Diese Bänder sind feucht und rutschig. Langsam gehe ich weiter und hoffe, dass ich bald unterhalb des Nebels sein werde. Endlich unterhalb Pt. 2589 scheint wieder die Sonne und ich sehe zum ersten Mal bis zum Grund der Wand.

Schwindelregend! Also konzentriere ich mich auf den weiteren Abstieg. Erstaunlicherweise ist die Route selbst gar nicht so stark ausgesetzt. Aber fallen darf man trotzdem nicht. In kleinen Schritten komme ich immer tiefer. Kurze einfache Kletterpassagen mit gutem Griff wechseln sich mit Gehwegen ab. Die Markierungen sind vorbildlich und folgt man diesen, findet man immer eine Möglichkeit die Füsse sicher aufzusetzen.

In der Bildmitte kommt man irgendwie runter

In der Bildmitte kommt man irgendwie runter

Ab und an ist meine Beweglichkeit gefordert und mit der Zeit macht mir der imposante Tiefblick gar nichts mehr aus. Bei Pt. 2382 gönne ich meinen Knien eine Pause. Der Schweizersteig fordert seinen Tribut. Da ich keine Eile habe, bleibe ich etwas länger im Gras liegen und geniesse die Sonne. Ich muss aber noch weitere 400m absteigen.

Also mache ich mich wieder auf den Weg. An einer Stelle gab es eine kleine Leiter, die über einen Absatz half. Kettensicherungen gab es nur im untersten Teil und auch nur dort waren sie zwingend nötig. Erleichtert erreiche ich den Ausstieg aus der Wand und folge dem Pfad zur Schesaplanahütte. Endlich unten angekommen versuche ich den Wegverlauf von unten zu erkennen. Doch ich schaffe es nicht.

Ich brauchte fast drei Stunden für den Abstieg, besonders oben im Nebel war ich sehr langsam unterwegs. Deshalb bin ich nun froh, dass diese Etappe nicht länger ist. Meine Beine sind müde vom langen Abstieg und so geniesse ich den restlichen Tag auf der Terrasse der Schesaplanahütte.

Über die Pfälzerhütte nach Malbun

Blick zum Nenzinger Himmel

Blick zum Nenzinger Himmel

Schon am Morgen des vierten Tages zeigen sich dunkle Wolken, aber auch blaue Lücken, durch welche die Sonne hindurch strahlt. Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg zur Pfälzerhütte. Ich erwarte für diesen Tag keine besonderen technischen Schwierigkeiten mehr.

Nach dem Frühstück laufe ich über Pt. 1978 in Richtung Chlei Furgga. Dort angekommen zweigt der Weg zur Gross Furgga ab, welche ich nach zwei Stunden erreiche. Hier oben ist das Wetter etwas gar garstig. Trotzdem setze ich mich für einige Minuten hin um die letzten Tage, die Begegnungen und meinen Weg, in Gedanken nochmal durch zugehen. Ich bin dankbar für das Erlebte.

Nun beginnt also der lange Abstieg nach Malbun. In weiteren anderthalb Stunden werde ich wohl die Pfälzerhütte erreichen. Aber vorher geniesse ich noch den Weg dahin. Über Pt. 2240, Pt. 2228 sowie Pt. 2311 folge ich dem Lichtensteiner Höhenweg zur Pfälzerhütte. Der Weg ist geprägt durch den Blick in den Nenziger Himmel, weit unten im Tal. Grad als ich die Hütte betrete, beginnt es zu regnen. Ich lasse mir also Zeit beim Essen und kurze Zeit später scheint die Sonne.

Augstenberg, der letzte Anstieg

Augstenberg, der letzte Anstieg

Es wird Zeit den letzten Aufstieg, den Pfad zum Augstenberg in Angriff zu nehmen. Es fällt mir etwas schwer weiterzulaufen. Meine Beine sind recht Müde von den letzten Tagen. Ich will aber wieder mal nach Hause, auf mein Sofa. Deshalb habe ich kein Auge mehr für die Umgebung. Schnellstmöglich steige ich hoch. Vom Augstenberg steige ich  sofort ab zum Spitz und  dort folge ich dem Grad bis zur Bergstation der Sesselbahn Sareis, welche ich benutze um nach Malbun hinunter zu fahren. Schliesslich bin ich in den letzten Tagen genug gelaufen.

Es folgt eine  Busreise nach Vaduz und weiter nach Sargans. Hier gibt es wieder Züge in alle Richtungen. Müde komme ich zu Hause an wo das Sofa auf mich gewartet hat.

 

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