Der Reussquellenweg

Gletschersee des Witenwasserengletscher

Gletschersee des Witenwasserengletscher

Da ich abends, zum Entspannen, manchmal einfach der Reuss entlang laufe, hat es mich Wunder genommen, wo dieser Fluss entspringt. Irgendwo im Urserental, aber wo? Bei der Recherche entdeckte ich, dass die vier Reussquellen in einer zweitägigen Alpinwanderung mit Übernachtung in der Rotondohütte erwandert werden können. Die Wanderung führt am ersten Tag zur Quelle der Gotthard-Reuss und weiter zum Schmelzsee des Witenwasserengletscher, welcher die Quelle der Witenwasseren-Reuss bildet.

Die zweite Etappe der Wanderroute zu den Reusquellen beginnt nach einem reichhaltigen Frühstück. Die Route führt uns von der Rotondohütte über den Rottälligrad und stozigen Firsten auf den Furkapass. Wir werden dabei zwei weitere Reussquellen finden, während wir über lange Strecken über Geröllfelder stolpern.

Der Reussquellenweg zeichnet sich besonders durch wunderbare Tiefblicke ins Tessin und ins Urserental aus, und ist für mich ein Highlight meiner diesjährigen Wanderungen, bedingt jedoch genügend Trittsicherheit und Orientierungsvermögen in alpinem Gelände. Denn über lange Strecken muss man grobe Geröllfelder überwinden. Auch deshalb muss man für diese Wanderung genügend Zeit einplanen.

  • 1. Tag: Gotthardpass – Passo di Lucendro – Ronggergrat- Hüenersattel – Rotondohütte
  • 2. Tag: Rotontohütte – Rottälligrat – Chrummenegg – Stotzigen Firsten – Furkapass

Der Aufstieg zur Rotondohütte

Quelle der Gotthard-Reuss

Quelle der Gotthard-Reuss

Früh morgens, treffe ich mich mit meinen 4 Begleitern in Andermatt, wo wir den ersten Bus zur Gotthard-Passhöhe nehmen. Es ist neblig und es bläst eine kalte Brise, besonders auf der Passhöhe ist es sehr ungemütlich an diesem Morgen. Wir trinken erst mal einen Kaffee und beschliessen dem garstigen Wetter zu trotzen. Denn genau die heftige Bise wird hoffentlich dafür sorgen, dass dies ein wunderbarer, sonniger Wandertag werden wird. Genau so ist es, und wir freuen uns auf eine kurzweilige Wanderung mit hochalpinem Charakter.

Vom Gotthard-Hospiz (2091 m ü. M.) laufen wir zuerst nordwärts, auf der alten Passstrasse. Wir nehmen die Abzweigung zum Lago di Lucendro und folgen einem breiten Weg, dem See entlang, bis zur Alpe di Lucendro. Hier beginnt der Weg zu steigen und nach kurzer Zeit haben wir die Quelle der Gotthard-Reuss bereits erreicht. Einige Kurven später erreichen wir den auf 2542 m über Meer gelegenen Passo di Lucendro.

Übergang zum und zum Passo di Cavanna

Nebelschwaden auf dem Passo di Cavanna

Nebelschwaden auf dem Passo di Cavanna

Nach einer kurzen Rast folgen wir dem Weg in westlicher Richtung zur Cresta del Poncionetto, welche wir durch eine Lücke überwinden. Auf der anderen Seite ist der Weg etwas ausgesetzt. Es gibt hier zwar Sicherungen, doch diese sind grösstenteils defekt. Der kurze steile Abstieg ist jedoch nicht schwierig.

Nun geht es leicht absteigend, mit schöner Aussicht ins hintere Bedrettotal weiter westwärts zu P.2443 und dann hinauf zum Passo di Cavanna (2613 m ü. M.) wo uns, ein herrlicher Tiefblick ins Witenwasserental erwartet. Hier legen wir eine längere Rast ein und geniessen das Schauspiel der Nebelschwaden, die den Felsen entlang kriechen. Von hier oben sehen wir in der Ferne, noch ganz klein, das heutige Tagesziel, die Rotondohütte. Doch noch liegt der Ronggergrat und der Hüenersattel zwischen uns und einem kühlen Bier.

Weg über den Ronggergrat und Hüenersattel

Breiter Weg auf dem schmalen Ronggergrat

Breiter Weg auf dem schmalen Ronggergrat

Vom Passo di Cavanna aus halten wir weiter westwärts, hinauf zum Ronggergrat. Oben angekommen staunen wir nicht schlecht. In einer Höhe von über 2700 m über Meer erwartet uns eine von Menschenhand gemauerte Steintreppe. Auch der Weg in der steilen Felsflanke ist breit und einfach zu begehen. Dank der Arbeit der Soldaten im 2. Weltkrieg können wir heute die Aussicht ins Witenwasserental und hinüber zur Rotondohütte in vollen Zügen geniessen bevor wir uns bei P.2695 für den Alpinwanderweg über den Hüenersattel zur Rotondohütte entscheiden.

Der Einstieg in das nachfolgende Geröllfeld des Hüenersattels ist durch die Steintreppen gut sichtbar. Doch schon Bald ist jedoch kein Weg mehr sichtbar. Die blau-weissen Markierungen sind spärlich vorhanden und kaum zu sehen. Deshalb halten wir uns immer nord-westlich in Richtung des Schmelzsees des Witenwasserengletscher, moderat absteigend, über die Felsblöcke springend, hinunter in die Talsenke. Die letzten Meter dürfen wir über ein Schneefeld hinunter rutschen. Auf der anderen Seite der Senke müssen wir dafür wieder hoch zum Schmelzsee kraxeln. Wir haben nun also den Ursprung der Witenwasseren-Reuss erreicht. Nun geht es halb um den See herum und in einer weiten Linkskurve zur Rotondohütte mit wunderbaren Blick hinunter ins Urserental.

Der Weg zum Furkapass

Quellgebiet der Furkareuss mit Galenstock

Quellgebiet der Furkareuss mit Galenstock

Von der Rotondohütte (2571 m ü. M.) starten wir am nächsten Tag in der wärmenden Morgensonne in nördlicher Richtung, über ein kleines Geröllfeld und einen sehr steilen Grashang, hinauf auf den Rottälligrat. Nach einer kurzen Erholungspause geht es erstmals nach rechts dem Grat entlang. Über das noch teilweise gefrorene Geröll erreichen wir den Tälligrat von wo wir hinunter in Richtung P.2658 laufen, um dann nach links ab zu biegen.

Wir folgen den blau-weissen Markierungen bis wir einen gut ausgebauten Weg durch das Geröll finden und und wandern weiter in nördlicher Richtung. Bei der nächsten Weggabelung halten wir uns links in Richtung P.2461. Ab hier lassen wir uns, während wir den Ausblick in Muttental geniessen, westwärts hinunter zur Chrummenegg (2427 m ü. M.) treiben.

Wir laufen weiter und überqueren dabei die Muttenreuss, das dritte Quellbächlein der Reuss, auf etwa halbem Weg zum auf 2600 m ü. M liegendem Dreierenalpeltli. Um den stoztigen Firsten zu erreichen steigen wir, nach einer langen Linkskehre wieder nordwärts hinauf auf den Pass. Von hier oben sehen wir drei Seen welche das Quellgebiet der Furkareuss darstellen. Wir steigen zu diesen Seen ab und folgen dem Weg moderat absteigend zum Furkapass. Hier können wir uns noch kurz erfrischen bevor wir den Bus in Richtung Andermatt nehmen.

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Kennst du eine Variante dieser Route, hat sich der Weg geändert oder hast Du eine andere Anmerkung zu dieser Route?

7 Kommentare zu “Der Reussquellenweg”

  • simsi

    schrieb vor 10 Monaten

    Hallo Bella und Bernd 🙂

    Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, dass in 2 Tagen alle Reussquellen besucht werden können, denn irgendwie münden im Kanton Uri wohl sämtliche Rinnsale schlussendlich in die Reuss. Viel eher habe ich eine Route zu den wichtigtsen Quellgebieten der Reuss zwischen Gotthard und Furka gesucht. Ich hoffe man möge mir verzeihen das ich die Route deshalb in meinen Blog Reussquellenweg genannt habe 😉

    Gruss Simon

  • Bella(der Hundie) und Bernd

    schrieb vor 10 Monaten

    Ganz toll geschrieben, ja es stimmt, nur der Weg heisst Quellenweg. Doch Reuss-Namen sind vom Wassen(Susten), Göschenen zur Oberalp/Unteralp, Gotthard Richtung Furka, da gleich dreimal. Die Reuss hat viele Namenszubringer und erst ab Hospental heisst sie Reuss. Route ist mit Kind und Hund gut begehbar, voraus gesetzt sie waren schon mal in den Bergen. Tourenbeschreibung perfekt.
    Bella und Bernd

  • Myriam s.

    schrieb vor 10 Monaten

    Hoi Simon

    Danke für Deine Info und den Link. Und es big Merci für din Itrag (:

    My

  • simsi

    schrieb vor 10 Monaten

    Hallo Myriam
    Beide Routen sind durchgängig markiert. Ich habe jedoch immer eine Karte dabei, entweder eine gekaufte oder eine selbst gedruckte. https://s.geo.admin.ch/6e3f3f88b8
    Gruss Simon

  • Myriam s.

    schrieb vor 10 Monaten

    Hallo zusammen

    Ich plane de reusquellenweg mit anschluss nepaly highway. Ist kartenmaterial empfehlenswer oder ist es gut beschildert?

    Danke für eure Feedbacks.
    Myriam

  • simsi

    schrieb vor 11 Monaten

    Hallo Peter

    Das ist natürlich Pech dass der Zug ausgefallen ist. Es freut mich dass Euch die Wanderung dennoch gefallen hat. Schön, dass die Sicherungen erneuert wurden beim Cavannapass.

    Ja, der blau-weisse Weg über den Hühnersattel ist wirklich nur bei gutem Wetter und man genug Zeit hat zu empfehlen. Wir haben damals die Markierungen gar nicht gesucht und sind einfach in Richtung See gelaufen, was uns in eine Senke brachte aus der wieder hinaus kraxeln mussten 😉

    Ja die Kurse am Furka sind nicht gerade „wanderfreundlich“, deshalb empfiehlt es sich spätestens um 08.00 loszulaufen, wir hatten damals etwa 5h und sind gegen 13.00h auf der Furka angekommen. Wenn man aber nicht so früh loslaufen will (evtl. hat es so früh Eis im blockigen Gelände) der kann natürlich direkt nach Realp absteigen. So ist man nicht so spät wieder zu Hause wie wenn man erst um 17.43h von der Furka losfährt.

    Gruss Simon

  • Peter Kunz

    schrieb vor 11 Monaten

    Wir haben den ersten Teil der Wanderung am 14./15. August gemacht.
    Wegen Zugsausfall erst nach 12.oo auf dem Gotthard. Und 6h muss man einrechnen. Hat gerade aufs Nachtessen gereicht.

    Die Sicherungen beim Cavannapass sind wieder bestens im Schuss: Brandneu Ketten, die halten 🙂

    Der blau-weisse Weg ab Hühnersattel ist im Moment nicht zu empfehlen. Auch die Hüttenwarte empfehlen den rot – weissen Wanderweg. Das sind zwar etwa 15 Minuten mehr, aber die verliert man mit Garantie, wenn man sich nur einmal ‚verfranst‘ beim blauweissen weg.

    Wir haben dann am zweiten Tag den Abstieg nach Realp gemacht, weil am Furkapass nur 2 Verbindungen verfügbar sind. Und wenn man nicht zeitig aufbricht, dann gibt’s ab Furkapass nach 13.54 erst wieder einen Kurs ab 17.43 Kurs ab Furkapass.

    Eine empfehlenswerte Wanderung,hat Spass gemacht.