Greina Alta – Weitblick und Ruhe

Die Greina-Hochebene

Die Greina-Hochebene

Die Greinaebene ist eine Tundra mitten in der Schweiz und ein beliebtes Wanderziel. Zum Glück – denn sonst wäre diese einzigartige Landschaft  wohl zu einen Stausee geworden. Heute ist die Greinaebene geschützt und bildet das Herzstück des geplanten Nationalparks Parc Adula. Viele Zielsetzungen soll dieser Nationalpark der neuen Generation erfüllen. Darunter finden sich Ziele wie: Schutz der Natur, Erhalt der regionalen Kultur, Förderung der lokalen Produkte, Inwertsetzung einzigartiger Landschaften, Impulse für nachhaltigen Tourismus und Unterstützung neuer Unternehmungen.

Dieser Parc Adula ist jedoch umstritten. Wie immer haben die verschiedenen Interessensvertreter die Befürchtung zu kurz zu kommen. Ich persönlich denke dass der Entscheid der 17 betroffenen Gemeinden einen Nationalpark zu schaffen, mit viel Weitblick getroffen wurde. Nun muss die Umsetzung in Ruhe diskutiert werden und hier ist das Nationalparkprojekt in meinen Augen auf dem richtigen Weg. Ob mit oder ohne Nationalparkvertrag, welcher ohnehin alle 10 Jahre erneuert werden muss: Die betroffenen Regionen tun gut daran, die Ziele des Parks umzusetzen.

Blick nach Campo Blenio im Abstieg von der Fuorcla Sura da Lavaz

Blick nach Campo Blenio im Abstieg von der Fuorcla Sura da Lavaz

Die Alpintrekkingtour Greina Alta durchquert die Adula Alpen von Ost nach West, durch die geplante Kernzone des Parc Adula und führt dabei über vier Hochgebirgspässe. Ein Muss für ambitionierte Alpinwanderer die glitzernde Seen, abwechslungsreiche Wege und atemberaubende Weit- und Tiefblicke schätzen und denen auch steile Passagen sowie lange Tagesetappen nichts ausmachen.

Greina Alta ist eine  2014 umgesetzte Intiative der Hüttenwarte der drei SAC Hütten Medel, Motterascio und Länta. Unterstützt werden sie dabei von den hüttenbesitzenden SAC Sektionen und vom Parc Adula. Im Sommer 2015 wurde die Route eröffnet. Dabei  führt die Route durch drei verschiedene Regionen und drei verschiedene Sprachräume. Von der rätoromanischen in die italienische und deutsche Schweiz.

Die Hütten die besucht werden sind so unterschiedlich wie der Kulturraum in der sie sich befinden. Die Routenlängen am ersten und letzten Tag sind so bemessen,  dass eine An- und Rückreise problemlos an diesen Tagen erfolgen kann.

Dies macht die Greina Alta zu einer der interessantesten Alpinwanderrouten in den Alpen.

Tipp: Es besteht die Möglichkeit die Übernachtungen in den Hütten pauschal zu buchen. Dies kann durch Anruf in einer der Hütten erfolgen oder über das Reservierungsformular. Bei der Pauschalbuchung muss jedoch beachtet werden das dies mindestens 10 Tage im Voraus erfolgen sollte. Kann diese Frist nicht eingehalten werden, besteht jedoch immer noch die Möglichkeit in jeder Hütte selbständig die benötigten Plätze zu reservieren, falls diese verfügbar sind.

In Vals, besteht ausserdem die Möglickeit, die Tour noch mit einem erholsamen Highlight abzurunden: einem Besuch der Therme Vals. Dazu lässt man sich am besten in der Länta-Hütte einen Quittung aushändigen, denn Gäste die in Vals übernachten, zahlen in der Therme weniger.

  • 1. Tag:  Curaglia (Disentis) – Padratsch – Alp Sura – Camona da Medel CAS
  • 2. Tag: Camona da Medel CAS – Fuorcla Sura da Lavaz – Passo della Greina – Capanna Motterascio CAS
  • 3. Tag: Capanna Motterascio CAS – Lago di Luzzone – Val Scaradra – Passo Soreda – Läntatal – Länta-Hütte SAC
  • 4. Tag: Länta-Hütte SAC – Furggelti  – Zervreilasee – Zervreila (Vals)

Von Curaglia zur Camona da Medel

Die Alp Sura, ein Vorgeschmack auf die Greina

Die Alp Sura, ein Vorgeschmack auf die Greina

Von der Bushaltestelle in Curaglia laufe ich nach Osten, aufwärts durch die Gassen des Ortes. Schon bald erreiche ich eine Fahrstrasse welcher ich in südlicher Richtung bis zur Brücke bei Padratsch folge. Hier gehe ich weiter geradeaus, befinde mich nun aber auf einem Wanderweg der mich am Osthang des Tals, sanft ansteigend, zur Alp Sura hochbringt. Die Alp Sura ist eine Schwemmebene welche stark an die Greina erinnert.

Nachdem ich die Alp Sura überquert habe sind es noch etwa 500 Höhenmeter bis zur Camona da Medel. Der weg muss nun also steiler ansteigen. Die ersten 200 Höhenmeter verlaufen in einem Grashang, bevor man in ein Couloir mit grossen Steinblöcken gelangt, zwischen Welchen der Weg in einigen Kehren hoch zur Camona da Medel führt.

Von der Camona da Medel über die Greina zur Capanna Motterascio

Gletschersee beim Lavaz-Gletscher

Gletschersee beim Lavaz-Gletscher

Ich verlasse die Camona da Medel auf blau-weiss markiertem Weg nach Osten, den Hang hinab. Auf etwa 2200m ü. M. biegt der Weg nach Süden ab und ich steige über blockiges Gelände zum Lavaz-Gletscher auf. Die Eisfläche ist heute nur noch ein Gletscherchen und hat keinen kritischen Spalten. Dennoch können ab Mitte August Steigeisen nützlich sein. Dann könnte der Gletscher „aper“ sein, da das Eis keinen Schnee mehr auf seiner Oberfläche trägt. Ich halte mich möglichst hoch am östlichen Rand des Gletschers um bereits „apere“ Stellen zu umgehen. Weiter oben mache ich eine weite Kurve in Richtung Pt.2643 bis ich wieder ein Geröllfeld erreicht habe. In diesem Geröll quere ich eine flachere Ebene wo sich ein schöner Gletschersee gebildet hat. Am Ende der Fläche steigt es noch mal steil bis zur Fuorcla Sura da Lavaz (2703m ü. M.) an.

Nach eine Pause steige ich vorerst weiter in blockigem Gelände von der Fuorcla ab. Dann erreiche ich jedoch wieder grasbewachsene Hänge welche sich mit flach geschliffenen Felsen abwechseln. Hier läuft es sich wieder wesentlich besser und der weitere Abstieg in die Greina-Ebene bringe ich so schnell hinter mich.

Unten auf der Ebene quere ich den Brenno della Greina und halte mich links, erst flach, dann ansteigend zum Passo della Greina. Nun folge ich den Wegweisern zuerst nach Crap la Crusch und dann zur Capanna Motterascio.

Von der Capanna Motterascio über den Passo Soreda zur Länta-Hütte

Blick in hintere Valsertal mit dem Zerfreila-Horn

Blick in hintere Valsertal mit dem Zerfreila-Horn

Die Königsetappe der Greina-Alta beginnt mit einem längeren Abstieg hinab zum Lago die Luzzone. An dessen Ostseite gehe bis Larecc. Hier beginnt der Steig zum Passo Soreda. Der Weg steigt zunächst sehr steil an, um dann leicht ansteigend bis unter eine Felsstufe unterhalb der Alpe Scaradra di Sopra zu führen. Hier muss man über einen gut ausgebauten Weg zwischen den Felsen hoch. Oben erwartet mich eine schöne Fläche und ich mache hier meine erste Pause.

Nachdem ich die kleine Ebene überquert habe steigt der Weg in einem grünbewachsenen Hang steil an. Oben zum Passo Soreda hin wird das Gelände zunehmend steiler. Der Weg führt nun durch Geröll und Steinblöcke. Immer wieder muss ich meine Hände zu Hilfe nehmen bis ich den 2759 Meter hohen Passo Soreda erreicht habe.

Ziemlich ausser Atem mache ich nochmal einen Pause und geniesse den Blick ins hintere Valsertal. Es folgt ein langer und teilweise sehr steiler Abstieg. Nachdem ich den Talboden endlich erreicht habe, wende ich mich nach Süden und wandere – nur noch sehr leicht ansteigend – zur Länta-Hütte.

Von der Länta-Hütte übers Furggelti nach Zerfreila

Natürliches Stillleben

Natürliches Stillleben

Das Wetter hat umgeschlagen. Dauerregen aber kein Gewitter. Ich beschliesse trotzdem über das Furggelti und nicht am Valser-Rhein entlang zum Zerfreila-Stausee zu laufen. Von der Hütte gehe ich ein kurzes Stück nach Süden in Richtung Rheinwaldhorn, dann biege ich nach Osten ab und überquere über eine abenteuerlich anmutende Brücke den Valser Rhein. Danach geht es steil zum Furggelti hinauf. Ich habe keine Probleme den rot-weiss markierten Weg zu finden, doch leider fehlt wegen den Wolken die Aussicht. Trotzdem geniesse ich das Laufen und die Schönheiten in der mich umgebenden Natur.

Der Abstieg ist dann deutlich weniger steil, doch  manchmal verliert sich der Weg etwas im Schutt- und Wiesengelände. Die Orientierung fällt dank der guten Markierungen jedoch auch hier leicht. Am See angelangt, wende ich mich nach Osten und folge dem Fahrweg, später dann der Asphaltstrasse nach Zerfreila. Von dort fahre ich mit dem Postauto nach Vals und geniesse in der Therme Vals das wohltuend warme Wasser.

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Kennst du eine Variante dieser Route, hat sich der Weg geändert oder hast Du eine andere Anmerkung zu dieser Route?

2 Kommentare zu “Greina Alta – Weitblick und Ruhe”

  • simsi

    schrieb vor 3 Monaten

    Hallo Thomas,
    Vielen Dank für Deinen Input. Es stimmt man braucht genügend Kondition und sollte vorher schon ein paar längere Tagestouren gemacht haben. Gruss Simon.

  • Thomas Schmitz

    schrieb vor 3 Monaten

    Sehr schöner Beschrieb einer anspruchsvollen Tour. Es ist zu sagen dass die Tour einiges an Kondition voraussetzt, auf der Website des Greina Alta Weg kann ein falscher Eindruck entstehen. Im Gespräch mit dem Länta Hüttenwart hat sich herausgestellt dass es ab und zu vorkommt dass Tourengeher es nicht bis zu Länta schaffen weil es zu anstrengend ist. Das war auch so als ich die Tour gemacht habe. Wer gerne Trotibike fährt, sollte unbedingt vom Zefrailasee nach Vals hinunter brausen…