Fuorcla d’Agnel und Fuorcla da Flix

Heureka-Erlebins am wunderschönen Gletschersee des Vadret d'Agnel

Heureka-Erlebins am wunderschönen Gletschersee des Vadret d’Agnel

Diese alpine Wanderung über die Fuorcla d’Agnel und Fuorcla da Flix überzeugt durch die Farben und Formen der Landschaft und lässt die Wanderherzen höherschlagen. Stein und Wasser sind die prägenden Elemente dieser kargen Region zwischen Julierpass und Val Bever.

Ein Freund hat mir vor einigen Jahren mal die Wanderung über die Fuorcla d’Agnel empfohlen. Nun war ich also endlich mal in der Gegend. Das Kartenstudium brachte mich auf den Plan, in der Jenatschhütte zu übernachten und am nächsten Tag über die Fuorcla da Flix zu wandern. So mal der grobe Plan.

Ehrlich gesagt, habe ich eine schönes Wandererlebnis erwartet. Aber das Gebiet, besonders die Farben welche einem die Natur hier präsentiert, liessen mich mehr als einmal vor Begeisterung laut aufjauchzen.

Die Berge wirken hier im Sonnenlicht nicht einfach grau, sondern Orangebraun und bilden einen perfekten Kontrast zum jadefrabenden Gletschersee des Vadret d’Agnel. Wer genauer hinschaut bemerkt Steine in den Farben von fast weiss, über gelb, orange, rot, braun, grün, lila bis fast schwarz. Die wohl farbenfrohste Steinwüste die ich bisher entdeckt habe.

Tag 1: Julier, La Veduta – Val d’Agnel – Fuorcla d’Agnel – Jenatschhütte

Tag 2: Jenatschhütte – Fuorcla da Flix – Westgrad Piz d’Agnel – Val da Natons – Alp Natons – Bivio

Um das Wandererlebnis auch geniessen zu können, ist am zweiten Tag beim Abstieg von der Fuorcla da Flix Trittsicherheit unabdingbar. Ich habe am Vortag den Abstieg auf einer kurzen Wanderung auf die Alp Flix re­ko­g­nos­zie­rt. Daher wusste ich dass ein möglichts direkter aber trotzdem langer Abstieg bis hinunter nach Bivio möglich ist.

Wer nicht bis nach Bivio absteigen will oder am gleichen Tag noch heimreisen möchte kann im Abstieg von der Fuorcla da Flix die normale Route auf die Alp Flix wählen und hier mit dem Bus Alpin Alp Flix nach Sur fahren. Mit dem Postauto kann man von hieraus in Richtung St. Moritz oder Chur fahren.

Über die Fuorcla d’Agnel zur Jenatschhütte

Es öffnet sich eine schöne Ebene in der Mitte des Val d'Agnel

Es öffnet sich eine schöne Ebene in der Mitte des Val d’Agnel

Nachdem ich im Hotel in Savognin gefrühstückt und ausgecheckt habe, fahre ich mit dem Bus in Richtung Julierpass und steige bei der Haltestelle La Veduta aus. Hier steige ich erstmal ein kurzes Stück ab um auf den Wanderweg zur Jenatschhütte zu kommen.

Nun steige ich durch Val d’Agnel hoch. Der Weg führt an einem Bach entlang. Es gibt keine besonderen Schwieriegkeiten. Einfach gemütlich aufwärts, an Pt. 2425 vorbei und nach einer knappen Stunde öffnet sich eine Ebene. Ein guter Platz um eine erste kurze Pause zu machen.

Einen Energieriegel später schlendere ich weiter über die Ebene. Im Norden der Ebene zweigt ein Weg links zur Fourcla d’Leget ab. Weiter oben entdecke ich ein Felsentor. Ich überlege kurz ob ich einen Abstecher zum Felsentor machen soll, schiesse dann jedoch ein paar Fotos mit dem Zoomobjektiv. Dann geht es weiter in nördlicher Richtung zur Fuorcla d’Agnel.

Auf der Fourcla d'Agnel eröffnet sich einem ein farbenfroher Blick.

Auf der Fourcla d’Agnel eröffnet sich einem ein farbenfroher Blick.

Der Weg führt stets ansteigend durch die imposannte Bergwelt und man läuft an mehreren kleinen Seen und Tümpeln vorbei. Bei Pt.2781 mache ich nochmal eine Pause. Der Pfad wird nun allmählich immer steiler und nach etwas weniger als 3 Stunden reiner Marschzeit erreiche ich die Fuorcla d’Agnel auf 2982 Metern über Meer.

Hier muss ich stehenbleiben. Zum einen weil ich ausser Atem bin vom letzten Stück hier hoch, zum anderen weil ich zuerst realisieren muss was ich sehe. So viele Fraben hätte ich hier oben nicht erwartet. Der Wind bläst recht stark. Deshlab laufe ich langsam weiter, bis zu einer Felsstufe wo der eigentliche Abstieg beginnt. Hier ist vom Wind nur noch wenig zu spüren.

Weit unten sehe ich nun auch den jadefrabenden Gletschersee des Vadret d’Agnel. Ich kann mich kaum satt sehen an der Szenerie die sich vor mir darstellt. Hier mischen sich uralte Gesteine aus Europa, Afrika und dem Urmeer Thetys welches einst die beiden Kontinente trennte. Hoch ragen scharfe Gipfelzacken aus Granit empor. Darunter liegen Gesteine der Tiefsee und untermeerischen Vulkanen.

Der Gletschersee des Vadret d'Agnel bietet eine krassen Farbkontrast zu den umliegenden gelblichen Bergen

Der Gletschersee des Vadret d’Agnel bietet eine krassen Farbkontrast zu den umliegenden gelblichen Bergen

Ich folge weiter den Markierungen in Richtung des Sees der mich magisch Anzieht. Der Pafd bleibt aber lange auf gleicher Höhe. Zurecht, wie sich herausstellt. Denn unterhalb des Piz Traunter Ovas, fliest Milch den Berg hinunter. Natürlich nicht wirklich aber es sieht so aus. Ein herrliches Schauspiel.

Nun aber schnell die nächsten 200 Höhenmeter zum jadefarbenen See absteigen. Immer wieder mache ich Fotos. Unten angekommen, überquere ich die kleine Brücke ersmal nicht, sondern laufe am See entlang nach Süden. Hier geniesse ich das Sein und die Sonne an diesem prächtigen Tag.

Die Zeit verging wie im Fluge, aber ich habe ja genug Zeit und ich bestaune die Figuren und Muster die hier oben mit den farbigen Steinen von kreativen Menschen gemacht wurden. Bis zur Jenatschhütte nicht mehr weit. Ich gehe wieder zum Wanderweg und überquere die kleine Brücke. Nun immer den Markierungen entlang durch das Geröll. Kurz vor der Hütte hat der Hüttenwart eine Umleitung wegen Steinschlag gebaut und so muss ich etwa 80 Höhenmeter absteigen und diese dann wieder zu erklimmen um die Hütte zu erreichen. Ich war 6 Stunden unterwegs. In Bewegung jedoch nur etwas über 4 Stunden. Es gab viel zu sehen, staunen und geniessen.

Von der Jenatschhütte auf die Fuorcla da Flix

Wegloser mit Steinmännchen markiert Aufstieg zur Fuorcla da Flix

Wegloser mit Steinmännchen markiert Aufstieg zur Fuorcla da Flix

Am nächsten morgen warte ich bis Die Sonne die Hütte erreicht hat und laufe dann los, wieder hoch zum Gletschersee des des Vadret d’Agnel. Hier verlasse ich den markierten Wanderweg und folge Wegspuren und Steinmännchen, auf der von unten kommend, rechten Seite des Sees.

Weiter steige ich durch Geröll, zwischendurch auf Wegspuren zur Fourcla da Flix auf. Hier auf 3065 Metern über Meer ist es noch recht kühl. Nun deponiere ich meinen Rücksack etwas Abseits und folge den Wegspuren auf die Tschima da Flix.

Die Spuren sind meist gut sichtbar und ich konnte alles aufrecht gehen. Oben angekommen merke ich dass ich meinen Fotoaparat im Rucksack vergessen habe. Naja gibt es halt keine Fotos von dem tollen Rundblick. Drum steige ich halt wieder ab und mache dann eine längere Pause an einer windgeschützten Stelle auf der Fourcla da Flix. Drei Stunden sind bisher vergangen. Das Lunchpaket aus der Hütte und der Marschtee geben mir neue Kraft welche ich auch brauche für den Abstieg bis nach Bivio.

Der Abstieg über den Westgrad  des Piz d’Agnel ist steil und teilweise ausgesetzt. Für das Begehen ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unbedingte Voraussetzung. Es gibt keine Ketten oder andere Hilfmittel.

Der lange Abstieg nach Bivio

Absteig von der Furcla da Flix über den steilen Westgrad des Piz d'Agnel

Absteig von der Furcla da Flix über den steilen Westgrad des Piz d’Agnel

Von hier kann ich kaum erahnen wo ich denn hier absteigen könnte. Also folge ich dem auf einem Stein gepinselten Pfeil in Richtung Alp Flix. Steinmänchen und Wegspuren führen nach links in die untere Westflanke des Piz d’Agnel. Ab und zu ist meine Beweglichkeit gefordert. Die Wegspuren sind im steilen Gelände gut sichtbar.

Ich erreiche bald den Westgrad. an dessen linker Seite (von oben gesehen) der Pfad steil entlang des Grades in die tiefe führt. Kleine Schritte und vorallem die Wanderstöcke helfen bei bremsen.

Immer mal wieder halte ich an um meine Beine zu lockern. Je tiefer ich komme desto besser läuft es sich wieder. Niemand ist mir bis jetzt begegnet ich weiss aber das eine grössere Gruppe vor mir unterwegs ist. Gesehen habe ich sie jedoch nie.

Einfacher wegloser Abstieg ins Val Natons

Einfacher wegloser Abstieg ins Val Natons

Kurz vor Pt. 2739 ist ein kleines Joch mit einer Metallstange an der jedoch keine Wegweiser befestigt sind. Hier folge ich nicht mehr den Wegspuren sonderen halte mich links zu Pt.2653 indem ich über einen kurzen steilen Grashang auf die weiter unten liegende Ebene absteige.

Nun stetig abwärts zwischen Pt.2653 und Piz Cutgens. Witer unten treffe ich wieder auf Wegspuren. Ich floge einem kleinen Bach, an Pt.2535 vorbei, um über einen Grashang bis zum Wanderweg weiter unten abzusteigen.

Nun muss ich einige Meter ins Val Natons hinein, bis Pt.2295 laufen. Dabei umlaufe ich eine Herde Kühe und einige Pferde, die hier oben wohl die letzten Tage verbringen werden und den Wanderweg für sich in Beschlag genommen haben. Nun zweigt ein Weg hinunter zu einer Brücke über einen Bach ab. Auf der anderen Seite laufe ich weiter zur Alp Natons.

Der weitere Abstieg bis nach Bivio ist nun einfach, aber meine Beine sind nun müde und so zieht sich der Weg. In Bivio nach 6 Stunden angekommen suche und finde ich in einem Hotel ein Zimmer. Ich treffe hier ebenfalls die Gruppe welche vor mir den selben Weg genommen hat. Bei einem Bier erzählen wir uns das erlebte und was wir noch vor haben. Die Gruppe wird am nächsten Tag über den Septimerpass wandern. Ich werde über den Stallerberg nach Juf wandern.

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