Das Matterhorn im Focus

Das Matternhorn, von Höhbalmen aus fotografiert

Das Matternhorn, von Höhbalmen aus fotografiert

Das Matterhorn ist das bekannteste Symbol der Schweiz und kein Berg dieser Welt wurde wohl so oft fotografiert wie dieser pyramidenförmige Bergriese. Bekannt ist das Matterhorn aber auch wegen seiner Geschichte der Erstbesteigung am 14. Juli 1865, durch eine 7er-Seilschaft unter der Führung von Edward Whymper, welche einem Krimi gleicht. Vier der sieben Bergsteiger sind an diesem Tag abgestürzt.

Heute wollen viele auf dem Gipfel des Matterhorns stehen. Nur steht man erst mal da oben, sieht man von diesem Berg nicht mehr viel. Dafür ist das Matterhorn für mich viel zu eindrücklich. Deshalb machte ich mich an die Planung einer mehrtägigen Tour im Mattertal, wo das „Horu“ mit seiner markanten Form scheinbar alles dominiert.

Ich war überrascht wie ruhig es, trotz der Touristenmassen, auf einem Grossteil der Route ist. Klar in den Bergen um Zermatt ist viel los, denn es gibt viel Infrastruktur, welche die Touristen in die Höhe bringen. Und natürlich ist auf dem Weg zur Hörnlihütte auch sehr viel Verkehr wegen den vielen Matterhorn-Aspiranten. Trotzdem konnte ich diese Bergwelt wunderbar geniessen. Es waren vier schöne Tage in welchem ich das Matterhorn von Norden, Osten und Westen fokussieren konnte.

Routenführung dieser Matternhorn Trekkingtour

Geplant waren eigentlich fünf Tage, aber ich musste die Tour in vier Tagen gehen. Ich war mir nicht sicher, ob ich diese vielen Höhenmeter in den vier Tagen wirklich schaffen kann. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass sportliche Wanderer die Route in vier Tagen gut schaffen.

1. Tag: Zermatt – Trift – Höhbalmen – Schwarzläger – Arben – Hohle Bielen – Schönbielhütte

2. Tag: Schönbielhütte – Hohle Bielen – Seickren – Hörnlihütte – Hirli – Trockener Steg – Gandegghütte

3. Tag: Gandegghütte – Talstation Furi – Riffelalp – Grüensee – Grindjesee – Berghaus Fluhalp

4. Tag: Berghaus Fluhalp – Furggji – Oberrothorn – Furggji – Bergstation Unterrothorn

Will man es gemütlicher Angehen oder kann wegen der Anreise erst am Mittag los laufen, ist es auch möglich die selbe Route in fünf Tagen zu begehen oder ein paar Abkürzungen zu nehmen. Obwohl man sich teilweise in hochalpinen Gelände bewegt, gibt es eigentlich keine gefährlichen Stellen, wenn man genügend Trittsicherheit mitbringt.

Abkürzungs – und weitere Übernachtungsmöglichkeiten

Am ersten Tag kann man im Talboden direkt zur Schönbielhütte laufen.

Am zweiten Tag macht man mit dem zusätzlichen Aufstieg zur Hörnlihütte viele Höhenmeter. Wer will kann direkt zur Gandegghütte laufen.

Wer am dritten Tag nicht so weit absteigen oder ausschlafen möchte, kann mit der Bahn vom Trockenen Steg zur Talstation Furi fahren.

Am vierten Tag kann man anstatt das Oberrothorn zu besteigen, direkt zur Sunnegga laufen und mit der Bahn nach Zermatt fahren.

Weitere Übernachtungen können im Berggasthaus Trift oder in der Hörnlihütte geplant werden.

Von Zermatt über Trift zur Schönbielhütte

Das Matterhorn, im Aufstieg zum Höhbalmenstaffel

Das Matterhorn, im Aufstieg zum Höhbalmenstaffel

Ich konnte am Vortag nicht früh genug ins Wallis fahren um noch vor dem Abendessen im Berggasthaus Trift ankommen zu können. So bin ich erst gegen Abend ins Wallis gefahren und habe dort übernachtet. Das bedeutet dass ich an diesem Tag bis Schönbielhütte laufen musste. In Zermatt habe ich am Bahnhof erst mal den Weg gesucht.  In Richtung Matterhorn laufend, bog ich bei der Gampi Bar rechts in eine enge Gasse. Nach ein paar weiteren Häusern erreichte ich Weideland. Die Richtung stimmte erst mal.

Ich nehme hier aber nicht den normalen Aufstieg, sondern halte mich talauswärts und laufe über Balmen zu Pt.1865. Hier ist es schon richtig steil. In ständigem Zickzack geht es durch den Lärchenwald hinauf zu Pt.2180 und weiter hinauf zum Chüeberg zu Pt.2503. Mittlerweile heizt die Sonne schon stark aber ich will weiter nach Trift, wo ich mich erholen und stärken kann. Nach guten zwei Stunden erreiche ich das Berggasthaus Trift und geniesse bei „Speis und Trank“ die Sonnenterrasse.

Der Aufstieg zur Schonbielhütte

Von hier aus ist das Matterhorn kaum zu erkennen

Von hier aus ist das Matterhorn kaum zu erkennen

Es folgt der nächste Aufstieg zum Höhbalmenstaffel. Dieser ist schnell geschafft und nun geht es fast eben auf Höhbalmen weiter über Pt.2665 und Pt.2718 bis nach Schwarzläger, der Abstieg ins Tal langsam beginnt. Bei Arben erreiche ich Pt.2546 und steige von dort über Pt.2366 zu Pt.2327 ab, wo ich auf den Weg zur Schönbielhütte treffe.

Ich laufe nun weiter an der Westwand des Matterhorns entlang, auf der Möräne des Zmuttgletschers über Hohle Bielen hinauf zur Schönbielhütte. Nach weiteren vier Stunden habe ich dieses Teilstück geschafft. Nachdem ich mich in der Hütte angemeldet habe und etwas getrunken habe, mache ich noch eine Ausflug nach Bergji. Erstaunlicherweise fühle ich mich nach 7 Stunden Marschzeit gar nicht müde, was mich positiv für mein weiteres Vorhaben stimmt.

Von Schönbielhütte zur Gandegghütte mit Abstecher zur Hörnlihütte

Westseite des Matterhorns

Westseite des Matterhorns

Dies ist die Königsetappe der Route. Denn ich werde für die knapp 18 km und 1’700 Meter Aufstieg sowie 1’400 Meter Abstieg mit Pausen sicher 9 Stunden brauchen.

Deshalb machte ich mir einige Gedanken ob ich das schaffen würde, doch ich beschloss einfach los zulaufen und nicht mehr daran zu denken, wie weit es noch gehen wird. Ich wusste einfach, ich würde irgendwann auf dem Zahnfleisch laufen.

Ich bin früh aufgestanden und starte nach dem Frühstück zum Abstieg von der Schönbüelhütte wieder über die Möräne des Zmuttgletschers welche ich am Vortag hochgekommen bin, ab. Wiederum verlauft der Weg über Hohen Bielen bis Pt.2327, dann aber weiter in den Talgrund bei Pt.2183.

Der Abstecher zur Hörnlihütte

Auf dem Weg zur Hörnlihütte

Auf dem Weg zur Hörnlihütte

Hier beginnt der lange Aufstieg zur Hörnlihütte. Ich habe vor in der Hörnlihütte, ganz nah am Matterhorn, zu Mittag zu essen. Der Abstieg dauerte etwa 1 Stunde. Bis zur Hörnlihütte sind es sicher noch vier Stunden. Also los.

Mit schnellen Schritten laufe ich zu Pt.2199 und dann aufwärts zu Pt.2306. Wer die Hörnlihütte nicht besuchen will kann von hieraus direkt über Schwarzsee und Hirli zur Gandegghütte laufen. Für mich war das keine Alternative. Ich wollte an meinem Plan festhalten. Also laufe ich weiter über Pt.2546 und Seickern bis Pt.2931, wo ich auf den von Hirli kommenden Weg zur Hörnlihütte treffe. Der restliche Aufstieg ist dann ein Katzensprung, leicht ausgesetzt aber extrem gut gesichert.

Teilweise gerate ich in Stau aber es gibt immer genügend Platz um zu überholen. Bei manchen, welche so aussehen als wollten sie am nächsten Tag auf den Gipfel, frage ich mich schon wie die das schaffen wollen, wenn sie schon hier so am keuchen sind. Na ja, müssen sie selbst wissen.

Blick zürück im Abstieg nach Hirli

Blick zürück im Abstieg nach Hirli

Pünktlich zur Mittagszeit erreiche ich die Hörnlihütte und beobachte das Geschehen während ich mich mit Suppe und viel Kuchen für mein weiteres Vorhaben stärke.

Ich will mich schon zum Abstieg aufmachen, da herrscht plötzlich Aufregung auf der Terrasse. Ich bekomme mit, dass sich anscheinend eine Gruppe ohne Steigeisen auf einem Eisfeld unterhalb der Nordwand befindet. Kopfschüttelnd mache ich mich auf den Weg nach Hirli. Bis Pt.2931 laufe ich auf dem selben Weg wie ich hochgekommen bin. Nun laufe ich über den extrem ausgebauten Weg, direkt hinunter nach Hirli. Ich renne fast, denn bis zur Gandegghütte ist es noch recht weit. Auf dem Weg nach unten sehe ich einen Helikopter, der in Richtung der Gruppe ohne Steigeisen fliegt.

Der Aufstieg zur Gandegghütte

Schmelzwassersehen des Theodulgletschers

Schmelzwassersehen des Theodulgletschers

Von Hirli aus laufe ich weiter in Richtung Trockener Steg. Nun kommt die Müdigkeit. Ich muss im Aufstieg immer wieder kurze Motivationspausen machen. Schritt für Schritt geht es weiter in blockigem Gelände vorbei an Pt.2883 zu den Schmelzwasserseen des Theodulgletschers.

Endlich erreiche die Bergstation Trockener Steg. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Gandegghütte. Nur der Gedanke an ein grosses kühles Bier treibt mich an, die letzten Höhenmeter zur Gandegghütte in Angriff zu nehmen. Jetzt so kurz vor dem Ziel darf ich nicht ausgeben. Und so erreiche müde und ausgepowert nach 9 Stunden endlich die Gandegghütte wo ich mir auf der gemütlichen Terrasse ein grosses Bier gönne. Meine Laune wird bald besser. Und ich erzähle zwei Bergsteigern von meiner bisherigen Tour während sie anerkennend nicken. Der eine meint: „Du wirst mehr Höhenmeter machen als das Matterhorn hoch ist“.  Ich bestätige das ich insgesamt in den 4 Tagen über 5000 Höhenmeter überwinden will. Viel habe an diesem Abend nicht mehr viel gemacht. Nach dem Abendessen wollte ich nur noch schlafen.

Von der Gandegghütte zum Bergasthaus Fluhalp

Das Breithorn von der Gandegghütte aus fotografiert

Das Breithorn von der Gandegghütte aus fotografiert

Draussen ist es noch dunkel als ich mich zum Frühstück hinsetzte. Meine Beine fühlen sich wieder frisch und gut erholt an. So bin ich guten Mutes, auch die nächste Etappe zum Berggasthaus Fluhalp zu schaffen. In der Morgendämmerung mache ich mich auf den langen Abstieg hinunter zur Talstation Furi. Auf dem Weg etwas unterhalb vom Trockenen Steg, etwa bei Pt. 2869 staune ich nicht schlecht, als drei Steinböcke am Wegrand stehen und mich überhaupt nicht als Gefahr wahrzunehmen scheinen. Sie stehen einfach da und beobachten wie ich an ihnen vorbei gehe.

Der weitere Weg verläuft über Pt.2773, Pt.2509 und Pt.2272 auf einem alten Säumerpfad bis hinunter zur Talstation Furi, auf nur noch 1867 Metern Höhe. Es gibt keine andere Möglichkeit um mit möglichst kurzem Gegenanstieg auf die Ryffelalp zu kommen. So muss man diesen Abstieg in Kauf nehmen, oder man fährt mit der Bahn hinunter. Ich war jedoch zu früh unterwegs und hätte 3 Stunden warten müssen, damit ich die Bahn hätte benutzen können. Nach guten zwei Stunden, immer noch früh morgens, komme ich an der Talstation an.

Der Aufstieg zum Berggasthaus Fluhalp

Das Matterhorn von der Ryffelalp aus fotogarfiert

Das Matterhorn von der Ryffelalp aus fotogarfiert

Die Sonne gewinnt schnell an Kraft und es ist schon wieder sehr warm. Nach einer Pause bei der Talstation orientiere ich mich bei den Wanderwegweisern. Ich laufe auf einer Strasse in südöstlicher Richtung weiter, bis ein gelber Wegweiser den Weg zur Ryffelalp weist. Über Pt. 1906 erreiche ich Pt.2114 wo gerade ein Restaurant öffnet.

Ich nehme die Gelegenheit gerne an und setze mich auf die Sonnenterrasse, wo ich die in den letzten Tagen gemachten Fotos prüfe. Ich kann mir Zeit lassen und so  lese ich wieder mal was sich so in der Welt getan hat.

Nach dieser längeren Pause mache ich mich wieder auf den Weg. Auf breiter Fahrstrasse, stapfe ich nun zur Station Ryffelalp und von dort weiter auf einem Wanderpfad über Pt.2235 und Pt.2231 zum Grüensee.  Die Hitze fordert nun ihren Tribut und da es noch früh am Nachmittag ist, beschliesse mich hier im See abzukühlen. Das tut richtig gut. Nachdem die Sonne alles wieder getrocknet hat gehe ich weiter.

Am Grindjesee

Am Grindjesee

Es ist nun nicht mehr weit bis zum Berggasthaus Fluhalp und ich muss auch nur noch 300 Höhenmeter bewältigen. Gemütlich schlendere zu Pt.2314 und dann weiter zum Grindjesee, wo sich erstaunlicherweise zu diesem Zeitpunkt gar niemand befindet.

Also setze ich mich am Rand des Sees mit Blick auf Matterhorn hin und geniesse die Ruhe. Die lange Wanderung von gestern macht sich nun bemerkbar und ich schlafe etwa eine Stunde hier am See.

Als ich aufwache bin ich etwas neben mir. Doch schon bald weiss ich wieder wo ich bin und mache bereit um die letzten paar Meter für den heutigen Tag hinter mich zu bringen. das Berggasthaus Fluhalp ist nun schnell erreicht.

Besteigung des Oberrothorns

Blick über Mattertal vom Oberrothorn aus fotografiert

Blick über Mattertal vom Oberrothorn aus fotografiert

Nach einer erholsamen Nacht, fühle ich mich gut genug, um heute das Oberrothorn zu besteigen. Dieser einfache Wanderberg, stellt mit seinen 3414 Metern Höhe, den höchsten Punkt dar, den ich in diesen vier Tagen erreichen werden. Nach den langen Wanderungen der letzten Tage kommt mir dies jedoch als Katzensprung vor.

Vom Berggasthaus Fluhalp geht es zuerst hinter dem Haus zu einer Weggabelung in Richtung Pt.2607. Nun steigt der Weh über Pt.2675 hinauf nach Roter Bodmen. Nun verläuft der Weg auf einer Skipiste bis zum Furggij. Von unten kommend halte ich mich nun nach rechts.

Der Pfad auf das Oberrothorn ist gut markiert und immer gut sichtbar. Über Pt.3085 und Pt.3230 ist das Oberrothorn nach guten zwei Stunden erreicht. Hier oben fokussiere ich das Matterhorn zum letzten mal mit meiner Kamera und ich mache mich auf selben Weg hinunter zum Furggji. Von hier laufe ich nun hoch zur Bergstation Unterrothorn und nehme die Luftseilbahn hinunter nach Blauherd und weiter nach Zermatt. So habe ich genug Zeit für die Heimfahrt.

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Kennst du eine Variante dieser Route, hat sich der Weg geändert oder hast Du eine andere Anmerkung zu dieser Route?

2 Kommentare zu “Das Matterhorn im Focus”

  • simsi

    schrieb vor einem Monat

    Coool, ein paar andere Verrückte dich sich das zutrauen, Chapeau!

  • T+R+M

    schrieb vor einem Monat

    Hey Simon
    Nach der super Maggiatal-Wanderung im letzten Sommer von dir nahmen wir die Matterhorntour in Angriff. Es war G.R.O.S.S.A.R.T.I.G. Merci viu mau für die Idee, Beschreibung, GPX-Datei, … geile Siech! Liebe Gruess Bärner Wanderfründä 🙂