Bordeira do Fogo

Morgenstimmung kurz vor Monte Gomez

Morgenstimmung kurz vor Monte Gomez

Die zweitägige Gratwanderung entlang der Bordeira do Fogo, von Norden nach Süden, ist zweifellos eine der einprägsamsten Bergerlebnisse auf den kapverdischen Inseln. Das Panorama zu beiden Seiten, einerseits der Pico de Fogo und der erschauernde Tiefblick in die Caldeira, anderseits die Hänge hinab zum Atlantik mit der Insel Brava, lassen einen immer wieder staunen und man fühlt sich plötzlich ganz klein.

Die Bordeira do Fogo ist die nordwestliche Begrenzung des Urvulkans der Insel Fogo. Sie bildet einen gut 20 km langen Halbkreis mit einer maximalen Höhe von 2692 m beim Atalaia.

Wegen zahlreichen Kletterpassagen ist man nur langsam unterwegs und bivakiert darum in einer kleinen Höhle, welche Schutz vor dem pfeifenden Wind bietet.

Gratwanderung entlang der Bordeira do Fogo

Die Gratwanderung entlang der Bordeira do Fogo lässt sich in 3 Abschnitte einteilen. Die Route muss unbedingt mit Bergführer absolviert werden. Die Bergführer organisieren auch die Übernachtung und die die Verpflegung im Biwak. Dafür sind ca. 250 Euro pro Bergführer zu bezahlen.

Im Norden, von Fernão Gomez bis Monte Gomez, ist das Relief hügelig und sanft. Man kann also ohne Klettern oder sonstige Schwierigkeiten die Aussicht geniessen und der Wanderweg Nr. 210 ist durchgängig sichtbar.

Im mittleren Abschnitt, von Monte Gomez bis Ponte Alto do Sul, erwartet einen ein zerklüfteter Grat. Hier sind höchstens manchmal Trittspuren zu erkennen. Ab 2006 wurde die Route mit Unterstützung von Mitgliedern des deutschen Alpenvereins (DAV), auf einer Länge von insgesamt rund 660m, durch Steilseile gesichert. Teilweise klettert man in der über 1000m hohen Felswand der Bordiera, was unbedingte Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordert. Diese Kletterpassagen hoch über der Caldeira sind nötig, da auf der anderen Seite des Grates instabile Geröllhänge und Abbrüche ein durchkommen verhindern. Absturzgefahr herrscht jedoch auf einem Grossteil der Strecke.

Im Süden, folgt der dritte Abschnitt. Der Abstieg von Ponto Alto do Sul nach Monte Cruz erfolgt auf einem weichen Rücken. Manchmal felsig, manchmal von einer Aschenschicht belegt. Der Weg ist hier wieder durchgängig sichtbar. Trotzdem verlangen querende Felsrippen nach entsprechender Trittsicherheit.

  • Tag 1: Fernão Gomez – Atalaia – Monte Liso da Fonte (Biwak)
  • Tag 2: Monte Liso da Fonte (Biwak) – Ponto Alto do Sul – Monte Cruz

Die erste Tag auf der Bordeira do Fogo

Kurz vor Monte Gomez

Kurz vor Monte Gomez

Am Vorabend habe ich die Tour mit dem Bergführer besprochen. Ich rechne mit ca. 10 Stunden, welche wir für die erste Etappe benötigen werden. Wir werden früh morgens von Portela mit einem Geländewagen bis in den Wald bei Fernão Gomez gefahren. Hier zweigt ein Weg ab, welcher steil zum Wanderweg Nr. 210 hoch führt. Wir folgen diesem Weg und ich spüre bereits hier, dass heute eine ruppige Wanderung vor mir steht.

Oben auf dem Wanderweg angekommen ist das Gelände hügelig. Weich und sanft, geht es auf und ab, bis wir Monte Gomez erreichen. Ich bin von der Schönheit der leuchtenden Pflanzen in der Morgensonne und der Sicht auf den Pico de Fogo samt Nebelmeer, völlig aus dem Häuschen und möchte den Moment am liebsten einfrieren.

Bei Monte Gomez zeigt sich schon ein erstes Felsband, das mit etwas Kraxelei (ungesichert) bewältigt werden muss. Nun beginnt also der ruppige Teil und es wird richtig steil. Das lose vulkanische Gestein, welches unter dem Gestrüpp nicht sichtbar ist und ständig wegrutscht ist beim Aufstieg auch keine Hilfe. Ich bin froh als wir den Hang mit dem Gestrüpp bewältigt haben, denn nun sieht man wenigstens wo man läuft. Es ist heiss und die Muskeln brennen bei jedem Schritt. Nach 2 Stunden erreichen wir das erste Stahlseil.

Die Kletterpassagen bis zum Biwak

Klettern an der Bordeira do Fogo hoch über der Caldeira

Klettern an der Bordeira do Fogo hoch über der Caldeira

Je näher wir dem 2692 Meter hohen Atalaia kommen, desto wilder und zerklüfteter werden die Felsgebilde. Einschnitte offenbaren atemberaubende Tiefblicke in die Caldeira. Ein Gewirr von grün bewachsenen Graten und Zacken zeigen sich in der Tiefe. Nach 4 Stunden offenbart die Bordeira ihr böses Gesicht. Über ausgesetzte, schmale, schroffe und abschüssig geröllige Flanken, klettern wir hauptsächlich an der Innenseite der Bordeira langsam weiter.

Im letzten Aufstieg zum Atalaia bemerke eine starke Erschöpfung, die mich zu lähmen beginnt. Mein Führer kann mich jedoch wieder motivieren und wir erreichen den mit 2692 m höchste Punkt der Bordeira nach knapp 7 Stunden. Danach geht es vergleichsweise gemächlich weiter zum Monte Liso da Fonte.

Das Biwak im Monte Liso da Fonte

Die kleine Höhle im Monte Liso da Fonte

Die kleine Höhle im Monte Liso da Fonte

Von weitem winken die Träger, welche der Führer organisiert  hat. Diese haben Wasser und die Zutaten für das Abendessen über den direkten Aufstieg hoch getragen. Nach einem letzten kurzen Aufstieg erreichen wir nach 8 Stunden die kleine Höhle, in der wir heute schlafen werden. Ich bin müde aber glücklich.

Der Manecon (traditioneller Wein) und das über dem Feuer gekochte Essen haben sehr gut geschmeckt. Die Lebensgeister kommen langsam zurück. Kurz nachdem es dunkel wird und unten an der Küste die Lichter zu leuchten beginnen, gehe ich in die Höhle, wickle mich in meinen Schlafsack und weiss dass dieser Tag, einer der anstrengendsten aber schönsten in meinem Leben gewesen ist.

In der Nacht war es nicht so kalt wie befürchtet, aber es kann hier oben sicherlich sehr kalte Nächte geben. Gegen 6.30h ist der erste Träger aufgestanden. Ich war auch schon wach und wollte nicht liegen bleiben. Darum bin ich zum älteren Bruder meines Guides vor die Höhle getreten. Wortlos haben wir gemeinsam das Feuer und den Kaffee vorbereitet. Nachdem ich mir eine Tasse mit Kaffee gefüllt habe, steige ich auf das Dach der Höhle, wo nun die Sonne scheint. Eigentlich sehne ich mich danach bereits wieder unten zu sein.

Mein junger, quirliger Guide kommt nach einiger Zeit um die Ecke und fragt: „Sta bom? Tudu fish?“ (Geht’s gut? Alles klar?). Ich Antworte murmelnd mit „Sim, fish“ (Ja, klar) und folge ihm zurück zum Feuer. Hier wurde in der Zwischenzeit wieder gekocht und so gibt es neben den Resten vom Vorabend auch Brot, Käse, Butter und Marmelade. Ich hab in einem Biwak noch nie so viel gegessen.

Die zweite Tag auf der Bordeira do Fogo

Blick über die Bordeira do Fogo

Blick über die Bordeira do Fogo

Ich helfe den Leuten noch beim Aufräumen der Lagerstelle. Was hier oben bleibt wird versteckt, der Rest wird verschnürt und dann über einen direkten Klettersteig von den Trägern nach unten transportiert. Wie erwähnt konnte ich nicht klagen hungrig los laufen zu müssen. Nachdem alles gepackt und aufgeräumt ist geht die Tour entlang der Bordeira do Fogo weiter.

Das Terrain ist deutlich einfacher zu meistern als am Vortag. Felder aus Asche durchzogen mit Felsbändern erfordern jedoch manchmal etwas Trittsicherheit. Der Monte Zagaia ist so schnell überwunden.

Anschliessend müssen einige Kletterstellen absteigend gemeistert werden. Wir erreichen Serinha und dann den direkten Klettersteig hinunter in die Caldeira. Hier verabschieden sich die beiden Träger und verschwinden in der Tiefe. Nach einer Pause trotte ich, von meinem Guide angeführt, in eine Senke welche sich Fundo Serinha nennt. Hier ist wieder Trittsicherheit gefragt.

Der ständige Begleiter - Pico de Fogo

Der ständige Begleiter – Pico de Fogo

Es folgt der letzte grosse Aufstieg der Tour und es muss noch einmal ernsthaft geklettert werden. Nach dem wir das überwunden haben, erreichen wir den Wanderweg Nr. 213 und folgen Diesem hinauf zum Punto Alto do Sul.

Nun sind es nur noch zwei Stunden, dann haben wir die komplette Bordeira do Fogo überschritten – sämtliche Kletterstellen gemeistert. Wir folgen also dem Wanderweg Nr. 212 welcher nun gut ersichtlich ist und in stetem Auf und Ab der Bordeira do Fogo folgt. Unser Gang wird immer schneller. Ab Querto de Ponte Alto beginnt der eigentliche Abstieg. Wieder laufen wir mit schnellen Schritten durch Aschefelder abwärts und nehmen eine Abkürzung, welche uns hinunter zur Fahrstrasse bei Monte Cruz führt.

Zurück in der Casa Marisa beschliesse ich am nächsten Tag zu relaxen, einfach zu sein und nur soweit zu laufen wie unbedingt notwendig. Es ist Zeit mich zu erholen damit ich für die bevorstehende Trekkingtour auf Santo Antao wieder fit bin.

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